Ralf Henne

Sandra Schobert, Düsseldorf zu den Bildern von Ralf Henne

“Teils humorvoll, in innehaltender Pose, in sich ruhend in schöpferischer Erwartung begegnen uns die Menschen, nachdenklich, gelassen, kraftvoll. Manche in Gesellschaft, jenseits der Zeit ruhend im Raum. Einfach im Sein, mal erschöpft, zuweilen gebeugt.
Der Mensch stützt sich selbst, liebevoll sich haltend.
Dabei gibt es immer Augenblicke sich zu begegnen, ehrlich, nachdenklich, spürend. Das in den Kontakt treten mit dem jeweiligen Bild findet sehr intim statt….
Bei den abstrakten Bildern wird der Betrachter überrascht und entdeckt viel Konkreteres, als zunächst erwartet.”

Stefan Schuster, Düsseldorf :

Von der stillen Demut der seitlich Umgeknickten.
Kommentar eines kunstunsachverständigen Freundes zu Bildern und Skulpturen vom Düsseldorfer Künstler Ralf Henne

Geht man ins Atelier von Ralf Henne, dann gibst da keinen Prosecco, sondern Tee.
Manchmal ist das von Vorteil, denn hier gibt es auch keine Heizung.
Macht nichts: Die Bilder an der Wand, auf dem Boden, verteilt in recht krümeliger Werkstattatmosphäre machen mich hellwach. Für mich ist es eine Kunst, die funktioniert.
Ich bin kein Kunstsachverständiger, und die Worte Kunst und Funktion in einem Satz zu verwenden ist wahrscheinlich ein schlimmer Fehler.

„Stehst Du vor einem Rembrandt, brauchts keine kunstgeschichtliche Interpretation. Die Wucht kommt oder es passt nicht“, sagt Henne.
Aha, also Absolution aus erster Hand. Denn in mir entsteht sofort eine intensive Nähe zu den hier abgebildeten Menschen und Szenen. Sie funktionieren, sie wirken, ich bleibe dabei.

Henne lebt schon lange in Düsseldorf, hat aber in frühen Zeiten eine Ausbildung zum Holzbildhauer in Oberammergau gemacht. Aus dieser Zeit kommt wohl seine Beschäftigung mit der Figur, und wie sie den Raum erlebt. Kinetische Objekte, Spielzeug-Miniaturen und allerlei technische Konstruktionen sind bei ihm entstanden, und manchmal waren es auch Auftragsarbeiten.

Aber seine Bilder finde ich am Besten. Ein prosecconippendendes Vernissagen-Publikum wird vielleicht tuscheln, das mit dem Henne hätte ja so was depressives. Aber hier gibt es nur Tee.
Und richtig, da gibt es etwas verstörendes, aber ich renne auch nicht aus dem Kino, wenn ein verstörender Film gezeigt wird, sondern nur, wenn er nicht aus dem Leben kommt und aus einer Welt, wie ich sie mir ganz sicher vorstellen kann. Beim Betrachten der Bilder von Ralph Henne  kann mir viel vorstellen. Sie kräftigen meinen Sinn für Fragen, die man viel zu selten zulässt: Wie ist es denn so im Schatten derer, die selbstermächtigt und lautsprecherisch alles an sich reißen? Wie ist es, daneben zu stehen und völlig unbemerkt zu bleiben im großen Getöse? Wie ist es mit dem stillen Genuss, der Demut und dem Eigensinn? Beim Betrachten kommt man zur Ruhe und fühlt eine Verbundenheit zu alldem, was gerade nicht gerade im hellen Licht der Sonne tanzt.

Hanns Dieter Hüsch, der unerreichbare Kabarett-Poet, sang von den seitlich Umgeknickten, die er mit großer Sympathie bedachte.
Die beiden haben sich leider nicht kennen gelernt.

Also: Mal Ralf Henne anrufen und Tee mit ihm trinken! Es lohnt sich.

Stefan Schuster

Johannes Zimmerer, Düsseldorf :

“Das merkt man schnell, die Skulptur, das Dreidimensionale ist in allem, was sich der Düsseldorfer Künstler, Ralf Henne einfallen lässt anwesend. Es ist in den Zeichnungen und Bildern zu finden, denn Bildhauer bleiben immer Bildhauer, ob sie zeichnen, malen oder schnitzen, scheint mir. Klar, plastisches Design brauchen Skizzen und der Bildhauer erfasst Körpersprache und Mimik der zukünftigen Figuren auf Papier als plastische Idee. Henne`s Skulpturen und Objekte erzählen Geschichten. Viele kleine hölzerne Figuren ruhen in sich wie Heilige in einem inneren Prozess der Sammlung, der Betrachtung, des nachdenklichen Beobachtens. Andere sind in Doppelfiguren auf ihre Gegenseitigkeit konzentriert. Auch Symbolisches ist zu finden, wie ein Kirchenhaus auf Rädern, das sich mittels eines Deichselkreuzes ziehen lassen würde – quasi als potenzielle Bewegungsmaschine. Sein skulpturales Werk ist ungewöhnlich breit – von der menschlichen Figur bis zur Mechanik – aber alles vereint die erzählende Aussage und nicht zuletzt die genaue, freundliche Beobachtung der Welt. Ralf Henne fertigt in seinem Düsseldorfer Atelier Kunstwerke die mich sehr beeindruckenden.” schreibt Johannes Zimmerer